Schlagwort: Grönland

  • Ausstellung: Sebastian Copeland’s – The Last Generation on Ice

    Ausstellung: Sebastian Copeland’s – The Last Generation on Ice

    Leider bereits vorbei war im IPFO Haus der Fotografie in Olten die Ausstellung «GREENLAND – THE LAST GENERATION ON ICE» von Sebastian Copeland zu sehen. Für mich war der Besuch schon lange geplant, denn nach meinen eigenen vier Reisen nach Grönland war ich gespannt darauf, wie Copeland dieses faszinierende Land fotografisch und dokumentarisch interpretiert.

    Eine Ausstellung, auf die ich mich lange gefreut habe

    Grönland übt auf mich seit Jahren eine besondere Faszination aus. Die gewaltigen Eislandschaften, das wechselnde Licht und die Ruhe dieser einzigartigen Natur haben mich auf meinen Reisen tief beeindruckt. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich die Ausstellung von Sebastian Copeland im IPFO besuchen möchte.

    Copeland gehört zu den bekanntesten Polar-Fotografen unserer Zeit. Seine Bilder entstehen während aufwendiger Expeditionen durch die Arktis und Antarktis, die ihn über viele tausend Kilometer auf Skiern führten. Seine Fotografien sind weltweit bekannt und werden durch seine Bücher über die Polarregionen ergänzt, die einen tiefen Einblick in seine Expeditionen und seine Sicht auf diese einzigartige Landschaft geben. (IPFO)

    Gewaltige Eislandschaften und eindrucksvolle Lichtstimmungen

    Meine Erwartungen wurden in vielerlei Hinsicht erfüllt. Die Ausstellung zeigt zahlreiche beeindruckende Fotografien von Eisbergen, Gletschern und den gewaltigen Landschaften Grönlands. Besonders faszinierend fand ich die Aufnahmen, bei denen dramatisches Licht auf die gewaltigen Eisformationen trifft. Eisberge haben mich schon immer begeistert, und wenn sie in solch aussergewöhnlichen Lichtstimmungen fotografiert werden, entstehen Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben.

    Die grossformatigen Fotografien entfalten im Ausstellungsraum ihre volle Wirkung. Man nimmt sich automatisch Zeit, entdeckt feine Strukturen im Eis und lässt sich von den Farben und Formen in den Bann ziehen.

    Mehr als Landschaften – aber für mich etwas zu wenig

    Besonders interessiert hat mich die Frage, ob Copeland neben der Landschaft auch die Menschen und das Leben in Grönland dokumentiert. Gerade weil ich das Land selbst bereist habe, weiss ich, dass Grönland weit mehr ist als spektakuläre Eislandschaften.

    Ein kurzer Videobeitrag berichtet von seinem Besuch in Qaanaaq, einer der nördlichsten Siedlungen der Welt. Er erzählt eindrücklich von den schwierigen Lebensbedingungen vor Ort und erwähnt unter anderem, dass aufgrund fehlender finanzieller Mittel in einem nachgelesenen Siedlung keine Schule betrieben werden kann und von zwei Kindern nur eines überhaupt noch im Dorf lebt. Dieser Einblick war spannend und zeigte, wie eng Natur, Klima und gesellschaftliche Veränderungen miteinander verbunden sind. (IPFO)

    Gerade deshalb hätte ich mir allerdings noch mehr solcher Geschichten gewünscht.

    Mein persönlicher Kritikpunkt

    Der Titel «THE LAST GENERATION ON ICE» weckt Erwartungen, die über beeindruckende Landschaftsfotografie hinausgehen. Ich hatte gehofft, noch mehr Hintergrundinformationen über die Menschen, ihre Kultur und die Veränderungen ihres Lebensraums zu erhalten.

    In der Ausstellung selbst werden an den Wänden ausschliesslich die Fotografien präsentiert. Natürlich können starke Bilder für sich sprechen. Trotzdem hätte ich es sehr bereichernd gefunden, wenn einzelne Fotografien oder Themen mit kurzen Texten ergänzt worden wären. Ein paar persönliche Gedanken des Fotografen, Informationen zur Entstehung der Bilder oder Hinweise zu den gezeigten Orten hätten den Besuch für mich noch intensiver gemacht.

    Vielleicht ist gerade dieser Wunsch auch durch meine eigenen Erfahrungen in Grönland entstanden. Wer das Land bereist hat, weiss, dass hinter jeder Landschaft und jedem Eisberg unzählige Geschichten verborgen liegen.

    Ein Besuch, der sich lohnte

    Trotz dieses kleinen Kritikpunkts hat mir die Ausstellung sehr gut gefallen. Während meines Besuchs waren auch zahlreiche andere interessierte Besucherinnen und Besucher vor Ort, was zeigt, dass das Thema viele Menschen bewegt.

    Das IPFO in Olten schafft es immer wieder, internationale Fotografie in einem angenehmen und inspirierenden Rahmen zu präsentieren.

  • Ausstellung: An der Eiskante – Leben, Wandel und Identität in Nordgrönland

    Ausstellung: An der Eiskante – Leben, Wandel und Identität in Nordgrönland

    Grönland fasziniert mich schon seit vielen Jahren. Wer mich besser kennt, weiss, wie sehr mich dieses Land mit seiner Weite, seiner rauen Natur und seiner einzigartigen Kultur und Geschichte in den Bann zieht – umso mehr habe ich mich auf meinen Besuch im Nordamerika Native Museum in Zürich gefreut.

    Im Fokus meines Besuchs stand die Sonderausstellung «An der Eiskante. Unterwegs in Nordgrönland», die noch bis zum 28. Juni 2026 zu sehen ist. Schon beim Betreten der Ausstellung wurde mir klar, dass mich hier nicht einfach eine klassische Fotopräsentation erwartet, sondern eine eindrückliche Auseinandersetzung mit einem Leben am Rand des Eises – und mit einer Welt, die sich rasant verändert.

    Eine fotografische Langzeitbeobachtung im hohen Norden

    Seit drei Jahrzehnten reist der Fotograf Markus Bühler nach Qaanaaq im nördlichsten Teil Grönlands. In einer Region, in der die Uhren anders ticken und das Leben stark vom Wetter und der Natur bestimmt wird, hat er über viele Jahre hinweg die Inuit fotografisch begleitet.

    Seine Bilder zeigen weite Schneelandschaften, Jäger auf dem Eis, stille Momente im Familienalltag. Gleichzeitig wird sichtbar, wie verletzlich dieses Leben geworden ist. Die Spuren des Klimawandels sind unübersehbar. Das Eis wird dünner, die Bedingungen unsicherer, die Jagd schwieriger planbar. Was über Generationen selbstverständlich war, steht heute zunehmend unter Druck.

    Gerade diese Langfristigkeit der fotografischen Arbeit verleiht der Ausstellung eine besondere Tiefe. Über dreizehn Reisen hinweg ist beinahe eine Chronik des Wandels entstanden – nicht laut und spektakulär, sondern ruhig, respektvoll und nah an den Menschen.

    Zwischen Tradition und Moderne

    In der Ausstellung wurde für mich sehr deutlich spürbar, wie stark diese Welt im Umbruch steht. Die traditionelle Lebensweise der Inuit in den abgelegenen Dörfern – weit entfernt von der Hauptstadt Nuuk – ist zunehmend gefährdet. Während sich die Welt rasant weiterentwickelt, wächst gleichzeitig das Risiko, dass diese Randregionen abgehängt werden.

    Besonders eindrücklich fand ich die Situation der jungen Einwohnerinnen und Einwohner. Sie stehen zwischen zwei Welten und müssen sich immer wieder neu positionieren: zwischen überlieferten Traditionen und modernen Einflüssen, zwischen Jagd auf dem Eis und global vernetzter Gegenwart. Diese Spannung zwischen Bewahren und Verändern durchzieht die gesamte Ausstellung und macht sie so aktuell.

    Zwei Väter, zwei Söhne – vier Perspektiven

    Ein weiterer berührender Aspekt ist die Zusammenarbeit zwischen Markus Bühler und seinem Sohn, dem Nachwuchsfilmer Nils Bühler. Gemeinsam dokumentieren sie, wie Aleqatsiaq Peary seinem Sohn Jonas das Überleben auf dem Eis beibringt.

    Zwei Väter, zwei Söhne, vier Blickwinkel auf eine Welt im Wandel. Es geht um Weitergabe von Wissen, um Verantwortung und um die Frage, was bleibt, wenn sich äussere Bedingungen verändern. Dieser generationenübergreifende Dialog hat mich besonders bewegt, weil er zeigt, dass Kultur nicht statisch ist, sondern gelebt und weitergegeben werden muss.

    Wie blicken wir auf diese Bilder?

    Ich habe mir beim Rundgang immer wieder die Frage gestellt, wie wir als Aussenstehende auf solche Bilder blicken. Sehen wir eine ferne, exotische Welt? Oder erkennen wir universelle Themen wie Familie, Identität, Wandel und Verantwortung? Durch meine eigenen Reisen nach Grönland konnte ich mir vieles konkreter vorstellen. Ich habe Landschaften, Stimmungen und Begegnungen vor Augen, die mir helfen, die Fotografien nicht nur als ästhetische Arbeiten zu betrachten, sondern als reale Lebenssituationen von Menschen, deren Alltag ich zumindest in Ansätzen kennengelernt habe.

    Gerade in einer Zeit, in der Klimawandel oft abstrakt diskutiert wird, schaffen diese Bilder eine emotionale Verbindung. Sie zeigen nicht nur schmelzendes Eis, sondern Menschen, deren Lebensgrundlage sich verändert – und die dennoch versuchen, ihre Identität zu bewahren.

    Das Nordamerika Native Museum in Zürich

    Das Nordamerika Native Museum (NONAM) in Zürich widmet sich den indigenen Kulturen Nordamerikas. In der Sammlungsausstellung führt der Museumsparcours durch die Plains und Prärien, das nordöstliche Waldland und die Subarktis bis hinauf in die Arktis, entlang der Nordwestküste und weiter in den Südwesten der USA. Die Ausstellung gibt Einblick in unterschiedliche Lebensbedingungen, Kunstformen und kulturelle Ausdrucksweisen – früher und heute.

    In wechselnden Sonderausstellungen greift das NONAM aktuelle Themen auf und bietet auch Einblicke in das heutige Leben im Indigenen Nordamerika. Dabei setzt das Museum vermehrt Akzente im Bereich zeitgenössischer Werke und engagiert sich für die Förderung indigener Künstlerinnen und Künstler.

    Fazit

    Mein Besuch im Nordamerika Native Museum hat mich erneut darin bestärkt, wie kraftvoll Fotografie als dokumentarisches und verbindendes Medium sein kann. «An der Eiskante» ist weit mehr als eine Ausstellung über Grönland – sie ist eine ruhige, eindringliche Auseinandersetzung mit Identität, Verantwortung und einer Welt im Wandel.

    Wenn dich Grönland, indigene Kulturen oder dokumentarische Fotografie interessieren, lohnt sich ein Besuch dieser Ausstellung ganz besonders. Sie lädt bis zum 28. Juni 2026 dazu ein, hinzuschauen, nachzudenken und sich mit Themen auseinanderzusetzen, die weit über den hohen Norden hinausreichen.

    Weitere Informationen zur Sonderausstellung:

    https://www.buehler-fotograf.ch

    https://www.stadt-zuerich.ch/nonam/de/ausstellungen/sonderausstellung.html