In einem meiner letzten BeInspired Workshops durfte ich das New Face Model Sophie vorstellen. Es war ein interessanter und intensiver Abend, an dem wir uns nicht nur über mögliche Lichtsetups mit drei Blitzen ausgetauscht haben, sondern auch sehr experimentierfreudig gearbeitet haben.
Gerade solche Abende zeigen mir immer wieder, wie stark Licht die Wirkung eines Portraits verändert. Technik ist dabei wichtig, aber sie bleibt ein Werkzeug. Entscheidend ist, welche Stimmung ein Lichtset erzeugt, wie es ein Gesicht formt und welche Haltung ein Bild dadurch bekommt.



Drei Lichtsets, drei unterschiedliche Bildwirkungen
Im Workshop haben wir drei verschiedene Lichtsets angeschaut und ausprobiert. Jedes davon hat eine eigene visuelle Sprache mitgebracht. Genau das macht für mich den Reiz solcher gemeinsamen Arbeitsabende aus: Ein Setup ist nie nur eine technische Lösung, sondern immer auch eine gestalterische Entscheidung.
Ein Lichtset kann ein Gesicht sehr klar und direkt zeigen. Ein anderes wirkt weicher, zurückhaltender und lässt mehr Raum für feine Übergänge. Und wieder ein anderes setzt auf mehr Spannung, etwa durch stärkere Schatten, einen deutlichen Kontrast oder eine prägnante Lichtkante. So entstehen nicht einfach andere Fotos, sondern unterschiedliche Bildaussagen.
Porträtfotografie mit drei Studioblitzen
Bei diesem Fotoworkshop wollen wir uns mit dem Einsatz mehrerer Studioblitzen auseinandersetzten. Unser Ziel ist es ein gelungenes Lichtset aufzubauen, mit dem perfekt ausgeleuchtete Porträts fotografiert werden können.
Wenn du Portraitfotografie bewusst angehst, lohnt es sich, nicht nur auf Helligkeit zu achten. Frage dich immer auch: Wirkt das Bild offen oder verschlossen? Ruhig oder spannungsvoll? Nahbar oder distanziert? Genau diese Wirkung macht ein Lichtsetup interessant.
Die Schattenlinie als bewusstes Gestaltungsmittel
Besonders spannend war das Lichtset, bei dem wir absichtlich eine Schattenlinie aufgebaut haben. Solche Linien können ein Bild strukturieren und dem Portrait eine klare Form geben. Sie lenken den Blick und schaffen eine visuelle Trennung, die das Gesicht oder den Körper anders lesen lässt.
Eine Schattenlinie ist nicht einfach ein Nebeneffekt. Wenn sie bewusst eingesetzt wird, wird sie Teil der Bildidee. Sie kann Härte erzeugen, Spannung aufbauen oder eine gewisse Zurückhaltung betonen. Gerade in der Portraitfotografie ist das interessant, weil man damit die Wirkung eines Gesichts sehr gezielt beeinflussen kann, ohne das Model zu überladen.
Mir gefällt an solchen Setups, dass sie Reduktion und Ausdruck miteinander verbinden. Nicht alles wird gleichzeitig gezeigt. Stattdessen entsteht Raum für Form, Linie und Atmosphäre. Das kann ein Bild leiser machen, aber oft auch stärker.
Der gelbe Hintergrund und die Wirkung von Farbe
Ein weiterer Teil des Abends waren Bilder mit gelbem Hintergrund. Farbe hat im Portrait eine starke, oft unmittelbare Wirkung. Ein gelber Hintergrund kann Wärme vermitteln, Präsenz erzeugen oder dem Bild eine lebendigere, direktere Ausstrahlung geben. Gleichzeitig braucht es ein gutes Auge dafür, dass Farbe nicht vom Gesicht ablenkt, sondern die Bildidee unterstützt.
Bei solchen Aufnahmen wird schnell sichtbar, wie eng Licht und Hintergrund zusammenspielen. Ein ruhiges Gesicht vor einem farbigen Hintergrund kann sehr klar und modern wirken. Je nach Lichtführung entsteht eher ein präsentes, offenes Bild oder eine bewusst komponierte, etwas grafischere Portraitwirkung.


Für mich ist das auch immer eine Frage der Balance. Ein Hintergrund soll nicht einfach bunt sein, sondern eine Rolle im Bild übernehmen. Er kann das Model tragen, kontrastieren oder in den Vordergrund holen. Entscheidend ist, dass die Farbwirkung zur Stimmung des Portraits passt.
Zusammenarbeit mit dem Model und klare Kommunikation
Ein intensiver Workshop-Abend lebt nicht nur von Technik und Licht, sondern auch von der Zusammenarbeit mit dem Model. Gerade in der Porträtfotografie spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Sophie hat den Abend mit ihrer Präsenz mitgetragen und damit ermöglicht, dass wir verschiedene Bildideen ausprobieren konnten.
Ein gutes Portrait entsteht nicht gegen den Menschen vor der Kamera, sondern gemeinsam mit ihm. Dafür braucht es klare Kommunikation, Respekt und ein gutes Gespür für Nähe und Distanz. Wer Menschen fotografiert, übernimmt immer auch eine gewisse Verantwortung. Es geht darum, Raum zu geben, aber auch Führung zu bieten.
Diese Haltung ist für mich ein wesentlicher Teil der Portraitfotografie. Technische Sicherheit ist hilfreich, doch erst im Zusammenspiel mit Sozialkompetenz, Achtsamkeit und einer ruhigen Arbeitsatmosphäre entsteht ein Rahmen, in dem Ausdruck wachsen kann.
Warum experimentierfreudige Abende fotografisch wertvoll sind
Experimentelle Workshops sind besonders wertvoll, weil sie den Blick öffnen. Man arbeitet nicht einfach ein Schema ab, sondern prüft, was ein Lichtset tatsächlich bewirkt. Das fördert das Verständnis für Wirkung, Kontrast, Schatten und Form viel stärker als reine Theorie.
Gerade mit mehreren Lichtquellen entstehen viele Möglichkeiten: ein kontrolliertes Hauptlicht, ein Akzentlicht, eine Trennung vom Hintergrund oder eine bewusst gesetzte Schattenkante. Doch wichtiger als die Technik selbst ist die Frage, welche Bildidee dahintersteht. Was soll das Portrait erzählen? Welche Stimmung soll bleiben? Welche Elemente sollen sichtbar sein, welche dürfen zurücktreten?



Solche Fragen helfen, bewusster zu fotografieren. Sie machen den Prozess klarer und führen oft zu stärkeren Bildern, weil die Entscheidungen nachvollziehbar werden.
Ein gelungener und lehrreicher Abend
Für alle Beteiligten war es ein gelungener und lehrreicher Abend, auch für das Model. Genau das schätze ich an solchen Workshops: Es entsteht ein intensiver Rahmen, in dem Fotograf:innen nicht nur Lichtsetzungen kennenlernen, sondern auch lernen, wie wichtig der respektvolle Umgang mit Menschen vor der Kamera ist.
Die Bilder aus diesem Abend zeigen für mich vor allem eines: Portraitfotografie lebt von bewussten Entscheidungen. Licht kann ein Gesicht weich zeichnen oder hart modellieren. Schatten können Fläche gliedern oder Spannung erzeugen. Farbe kann Ruhe geben oder Präsenz schaffen. Und die Zusammenarbeit mit dem Model entscheidet mit darüber, ob ein Bild trägt.
Wenn du deine Portraitfotografie weiterentwickeln möchtest, lohnt es sich, solche Lichtsets nicht nur zu kopieren, sondern wirklich zu verstehen. Beobachte, was eine Schattenlinie bewirkt, wie ein farbiger Hintergrund das Bild verändert und wie unterschiedliche Lichtführungen die Stimmung verschieben. Genau dort beginnt für mich das bewusste Arbeiten mit Licht.
Bei der BeInspired Fotoschule werden laufend neue Fotokurse und Fotoworkshops angeboten. Wenn du deine Portraitfotografie, das Arbeiten mit Models und den bewussten Umgang mit Licht vertiefen möchtest, findest du regelmässig passende Angebote in kleiner Gruppe und mit persönlicher Betreuung.



















































































